Reisebericht

Abenteuer Seidenstrasse


Freitag den 28.03.1997 - Der 7. Tag - Transkasachstan

Das Wetter ist heute nicht mehr so gut wie gestern, stark bewölkt, aber vielleicht ist es auch nur Hochnebel. Das Frühstück gibt es um 7.00 Uhr, welches diesmal erfreulich reichhaltig ausfällt. Es gibt Tee, helles und dunkles Brot, Würstchen, Erbsen, Marmelade, Käse, Buttermilch, Gurkensalat, und ein Ei.

Mit dem Intourist Bus fahren wir eine Stunde später zum Bahnhof. Um 8.38 Uhr kommt Zug 16 von Petropawlosk nach Almaty in Akmola an. Man könnte den Zug auch als Transkasachstan bezeichnen, durchfährt er das Land doch von seiner nördlichsten bis zu seiner südlichsten Stelle. An der Spitze läuft WL60-1880 gefolgt von sechs Wagen Hartschläfer, ein Restaurantwagen, ein Weichschläfer, ein 1. Klasse Schlafwagen, drei Weichschläfer, drei Hartschläfer und zwei Postwagen, alles zusammen stolze 18 Wagen. Wir haben im Weichschläfer Nr. 12 die Abteile 3,4 und das Abteil der Prowodnik.

Die Prowodniks sind diesmal zwei Männer mit mongolischen Gesichtszügen. Der Wagen ist in nicht so einem guten Zustand wie unser letzter Wagen, aber dafür sind wir ja auch bereits morgen in Almaty. Auch der Samowar macht keinen besonders gepflegten Eindruck, Hauptsache er funktioniert. Weil die Fenster ziemlich verschmutzt und sich auch nur sehr mühsam öffnen lassen, überlegen wir, ob wir sie nicht gleich ganz ausbauen. Wir lassen es aber doch, zumal es einerseits draußen noch etwas frisch ist, und andererseits das Personal nichts dagegen hat die Tür während der Fahrt zum Fotografieren zu öffnen.


Markt auf dem Bahnsteig
von Karaganda.
Erster längerer Halt ist nach 3 ½ Stunden die Industriemetropole Karaganda. 25 Minuten haben wir Zeit, uns hier auf dem Bahnhof umzusehen. Zu unserer Überraschung findet kein Lokwechsel statt, nur Personalwechsel. Auf dem einzigen Mittelbahnsteig befindet sich der übliche MAB, mit der ganzen Angebotsvielfalt. Peter, sowieso sehr kontaktfreudig, sorgt bei den Damen mal wieder für Aufsehen, indem er so tut, als würde er sich für die angebotenen Dinge interessieren. Dies lockt nur noch mehr an, und im Nu hat sich eine riesige Menge um ihn versammelt. Nachdem sich einige mit ihm Fotografieren lassen, befürchte nicht nur, ich, dass einer von uns früher oder später zurückbleiben muss, damit er sich eine von Ihnen, als Souvenir, mitnehmen kann. Diesmal geht‘s aber noch gut, und pünktlich verlassen wir Karaganda.

Eine halbe Stunde nach der Abfahrt wird aus der Gegend draußen endlich wieder so etwas wie Landschaft, die ersten Berge tauchen auf. Laut Karte soll einer von Ihnen immerhin über 1000 m hoch sein. Auch die Sonne lässt sich inzwischen immer häufiger sehen. Peter beschäftigt sich aber lieber mit den 4 Frauen im ersten Abteil und bringt Ihnen nicht nur Mau-Mau bei. Seit wir Karaganda verlassen haben, laufen ständig einige Frauen mit getrocknetem Fisch im Zug auf und ab. Ich weiß nur noch nicht, ob man die Fische kaufen und essen soll, oder ob sie doch nur als „Duftspender“ dienen, sie stinken jedenfalls bestialisch.

In der Nähe der Stadt Karabas sehen wir in der Ferne auf einer abzweigenden Strecke eine Dampflok mit einem Güterzug fahren.

Nachdem wir den Ort Zharik passiert haben, wird aus der Landschaft wieder die gewohnte kasachische Steppe. Bei Streckenkilometer 1020 sehen wir zum ersten Mal Kamele. Überhaupt gibt es fast keine Autos zu sehen, höchstens mal einige Pferde. Weiter geht es immer Richtung Süden an der sogenannten „Hungersteppe“ entlang. Immer seltener ist Schnee zu sehen. Die Strecke ist zweigleisig und recht großzügig trassiert. Wie allgemein üblich, wird rechts gefahren. Durch die geöffnete Tür können wir problemlos fotografieren.

Immer noch sind die Frauen mit ihren Fischen im Zug unterwegs. Ewald hat Mitleid, ob mit den Frauen oder den Fischen, lässt sich leider nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls kauft er sich so einen getrockneten Fisch mit der Absicht, ihn zu essen. Für ihn und seinem Fisch verhängen Michael und ich sofort, wegen dem Gestank, Abteilverbot. Ewald bleibt, somit nicht anderes übrig als sich diese „Delikatesse“ unter zur Hilfenahme von Säge und Gabel am Ende des Wagens schmecken zu lassen.

Am Abend hält der Zug in Sary-Schagan. Draußen ist es unterdessen dunkel geworden. Ganz in der Nähe muss der Balkasch See liegen. Zu sehen ist jedoch nichts. Auf dem einzigen Bahnsteig tobt der gewohnte MAB, und Peter ist wieder in Hochform. Es ist erstaunlich warm und der Himmel sternklar. Und es ist auch wieder Hale-Bopp zu sehen.

Für 120 Tenge bekommen wir bei dem Prowodnik das Bettzeug und weil wir am kommenden Morgen früh raus müssen, ist heute schon um 21.30 Uhr Nachtruhe. Im Abteil ist es aber viel zu warm, um zu schlafen.


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