Reisebericht

Abenteuer Seidenstrasse


Sonntag den 13.04.1997 - Der 23. Tag - Die Rückfahrt

Spätestens als wir alle am Reisezentrum der Deutschen Bahn AG angekommen sind, hat uns die Realität wieder. Nur ein Schalter ist geöffnet und vor dem: – Stau. Nach 20 Minuten des Wartens bekomme ich doch noch mein Ticket nach Werl (in Neheim-Hüsten ist um die Zeit schon Betriebsruhe).

Ich verabschiede mich von Ewald und Peter, die den IC in Richtung Würzburg nehmen müssen. Im Supermarkt um die Ecke eine Limo gekauft geht’s gleich weiter zum Bahnsteig 3 des Flughafen Bahnhofs. Hier soll um 20.04 Uhr der Euro City (EC) 24 „Franz List“ von Budapest nach Dortmund abfahren.

Er soll abfahren, dem ist natürlich nicht so. Kurz vor der Planabfahrt kommt die Durchsage, dass der EC aufgrund eines Böschungsbrandes (?!) voraussichtlich 30 min. Verspätung hat. Habe von dieser Eisenbahn auch nichts anderes erwartet. Die Bahn kommt, lese ich auf einem Werbeplakat der DB, nur wie üblich zu spät. Da bei einer Umsteigezeit von 18 Minuten zu befürchten ist, dass ich meinen Anschlusszug nach Werl in Dortmund nicht mehr erreiche, informiere ich telefonisch meine Bekannten in Neheim-Hüsten.

Mit stolzen 40 min. Verspätung und einer BR. 103 an der Spitze verlassen wir Frankfurt/M. Flughafen. Das Ende der Osterferien haut voll rein, der Zug ist total überfüllt, und ich bekomme nur den Klappsitz im Gang. Bis Mainz, nur 29 km weiter, hat die DB es geschafft, die Verspätung statt zu senken, auf 45 Minuten auszubauen. Verspätungen, die die russischen Eisenbahnen auf mehreren tausend Kilometern nicht zustande bringt, sind für das „Unternehmen Zukunft“ (Werbeslogan DB) überhaupt kein Problem. In Bonn verabschiede ich mich von Lars, Olaf und Michael, sie steigen hier aus.

Bis Köln hat sich an der Verspätung nichts geändert. Udo und die meisten anderen Fahrgäste steigen in Köln aus, ich bin alleine im letzten Wagen. In Essen sind beträgt die Verspätung immer noch 42 min.

Um Klarheit über meinen Anschluss in Dortmund zu bekommen, suche ich den Zugchef auf. Mit seinem Handy fragt er bei Betriebsaufsicht nach, ob meine Regionalbahn nach Soest wartet. Ergebnis, der Zug kann leider nicht warten, ich möge mich in Dortmund an den Service-Point wenden, wo ich dann einen Taxischein bekommen würde. Nun mit Taxischeinen habe ich einschlägige Erfahrungen und muss sagen, dass sich die DB damit immer recht kulant erwiesen hat.

Zur Ehrenrettung der DB muss gesagt werden, dass ich meine Bekannten mit dem Dienst Handy des Zugchef kostenlos anrufen darf, damit sie nicht umsonst nach Werl fahren. Ich teile Ihnen mit, dass ich voraussichtlich mit dem Taxi auf Kosten der DB nach Neheim-Hüsten fahren werde. Voraussichtlich heißt, dass es noch nicht sicher ist, ob ich auch ein Taxi bis Neheim-Hüsten bekomme und nicht nur bis Werl. Sollte wieder erwarten letzterer Fall eintreten, werde ich mich von Dortmund aus noch einmal melden.

Mitternacht, mit 38 min. Verspätung kommt EC 24 auf Gleis 8 des Dortmunder Hbf. zum stehen – Endstation. Weder auf dem Bahnsteig noch in der Unterführung ist etwas los, welch ein Unterschied zu den Bahnhöfen Chinas.

Ich gehe sofort zum Service-Point und trage mein Anliegen vor. Ziemlich gelassen nimmt man dies zur Kenntnis. Es folgen die üblichen Formalitäten nach dem wieso, weshalb, warum und wohin. Als ich sage das ich nicht nach Werl sondern nach Neheim-Hüsten muss, werden sie ein wenig stutzig. Aber auch diese Situation meistere ich, in dem ich Ihnen etwas von einem AST (?!) erzähle, welches ich nun nicht mehr bekommen würde. Nicht einmal 5 Minuten vergehen, und ich halte einen Taxischein nach Neheim-Hüsten in den Händen.

Ohne weiter Zeit zu vertrödeln, begebe ich mich zum Taxistand vor dem Hauptbahnhof. Hoch erfreut zeigt sich der Taxifahrer als ich mit meinem Taxischein winke. Für ihn ist so ein Taxischein fast eine Art Blankoscheck bis 150,- DM. Schneller als die Polizei erlaubt geht’s durch die Nacht.

Endlich, exakt um 0.47 Uhr, drehe ich den Schlüssel im Schloss um, ist es geschafft, ich bin wieder Zuhause.


« zurück Inhaltsverzeichnis