Reisebericht

Abenteuer Seidenstrasse


Freitag den 11.04.1997 - Der 21. Tag - Macao

Macao - heute oder nie ist mein Gedanke; als ich an diesem Morgen aus dem Fenster schaue.

Obwohl ich nur sagen kann, dass es diesmal nicht regnet. Denn weder den Erdboden noch den Himmel kann ich aus dem, wegen der Klimaanlage nicht zu öffnenden, Fenster sehen. Statt dessen kann ich in die vielleicht nur 5 Meter entfernte Wohnung des Nachbar blicken. Wohnraum ist knapp und teuer in einer Stadt, die nur in die Höhe wachsen kann aber nicht in die Breite.

Ewald und Peter sind ebenfalls meiner Ansicht: Jetzt oder nie nach Macao. Frühstück fällt aus, wollen wir doch möglichst schon um 9.30 Uhr das Jetfoil nach Macao erwischen.


Chinesischer Marktstand in Macao.
Am schnellsten gehts daher auch mit der Metro von der Station Tsim Sha Tsui in der Nathan Road. Mit Umsteigen in Central sind wir in nicht einmal 30 Minuten in Sheung Wan.

An diesem Freitagmorgen ist recht wenig los, so bekommen wir auch problemlos das Ticket für das Jetfoil um 9.30 Uhr. Etwas schwieriger ist da das Ausreisen. Obwohl Großbritannien (Hongkong) als auch Portugal (Macao) beide Mitglied der EG sind benötigen wir den Reisepass und müssen eine Depature Card ausfüllen.

Unser „Tomcat“ Jetfoil liegt mit laufenden Motoren am Kai, und weil wir recht früh dran sind, bekommen wir in der Economy einen Platz in der vordersten Reihe mit Streckensicht.

Pünktlich auf die Minute legt, oder besser gesagt, hebt das Tragflügelboot ab. Mit einen Schiff hat es nun wirklich nicht mehr viel gemeinsam. Wenige Sekunden später hat es seine Höchstgeschwindigkeit erreicht und jagt mit einem irren Tempo vorbei an Lantau und zahllosen weiteren Inseln. Das alles bei einer, im Zug würde ich sagen hervorragenden Gleislage, da rappelt und da schaukelt nichts.

Je weiter es nach Westen geht, desto besser wird auch das Wetter, die Lücken zwischen den Wolken werden immer größer.

Sechzig Minuten später unterqueren wir die mehrere Kilometer lange neue Macao -Taipa Bridge und legen kurz darauf im Hafen an.

Auch hier hat man offensichtlich von der EG noch nichts gehört, diesmal ists eine Arrival Card, die wir ausfüllen müssen.

Peter tauscht einige Dollars in die hiesige Währung Patacas und Avos um. Ich verlasse mich darauf, dass meine HK$ auch hier akzeptiert werden. Der Kurs der Patacas ist etwas günstiger als HK$, so dass ich eigentlich keine Schwierigkeiten mit meinen HK$ bekommen sollte.

Zu einem kleinen Problem wird es allerdings, einen Weg zum Verlassen des Ferry Boat Terminals zu finden. Strassen rundherum nichts als Strassen, so müssen wir auf ein Taxi zurückgreifen, um unseren ersten Programmpunkt anzusteuern, den Kun Lam Tempel.

Taxis zu bekommen ist dafür kein Problem. Ewald stellt sich mitten auf die Strasse winkt heftig, und schon bleibt eins stehen. Äußerst preiswert ist Taxi fahren in Macao und es wird überlegt, den Fahrer gleich für den ganzen Tag zu engagieren. Da sich das Wetter beinahe minütlich bessert, lassen wir den Quatsch jedoch.


Basillica St. Paul in
Macao.
Dieser Tempel ist im Gegensatz zu dem in Guangzhou nur noch ein Museum. Dafür ist der Eintritt jedoch kostenlos. Der Tempel ist über 400 Jahre alt und stammt aus der Ming Dynastie. Zahlreiche Touristenhorden, darunter auch viele Deutsche, bevölkern den Tempel. Überall stehen Räucherkerzen oder hängen Räucherspiralen, die auch käuflich zu erwerben sind. Es gibt einen Hauptraum in der Mitte mit einem Altar und mehrere Nebenräume, wovon einige mit so etwas wie einem Teich ausgestattet sind. Alle Räume sind mit vielen bunten Bildern, Teppichen und Buddhas geschmückt. Ein extremer Kontrast ist die Umgebung des Tempels, die von modernen Wohncontainern beherrscht wird. Dieser Programmpunkt könnte in der halben Zeit erledigt sein, wenn nicht ständig irgendwelche Touristen in den Motiven stehen würden.

Als nächstes, meint Ewald, sollten wir uns den Lin Fong Miu Tempel vornehmen, den wir, nachdem sich die letzten Wolken verzogen haben, zu Fuß erreichen.

Er liegt abseits von der Touristen Linie, und ist daher weniger bevölkert aber nicht weniger interessant. Auch hier gibt es im Hauptraum einen geschmückten Altar und viele Räucherkerzen/-spiralen. Darüber hinaus stehen neben dem Altar zwei finster blickende Buddhas. Auch wenn es nur ein Museum ist, geben sich die beiden anwesenden Mönche in ihrem passenden „Outfit“ sichtlich Mühe, alles in Schuss zu halten, was von Peter durch eine kleine Spende honoriert wird.

Nachdem es draußen schon wieder zu heiß ist, tut die Kühle, die von den dicken Gemäuern ausgeht, richtig gut.

Kühl ist es auch in einer nahe gelegenen Gaststätte, wo ich problemlos einige HK$ loswerden kann. Auch Macao haben die Chinesen bereits voll im Griff. Richtig Portugiesisch ist noch das Stadtzentrum mit seinen engen, verwinkelten, steilen Gassen, dass man glauben könnte, in Lissabon zu sein. Ein, im wahrsten Sinne des Wortes, Höhepunkt unser Tour ist zum einen sicherlich die „Basillica St. Paul“, von der nur noch die Front steht. Der Rest ist 1835 bei einem Feuer niedergebrannt. Zum anderen natürlich die Festung „Monte Fortress“, die aber auch nur noch eine Ruine ist. Von ihr hatte man früher sicherlich einen guten Überblick über Macao. Heute verhindern moderne Bürotürme und Wohnsilos die Sicht.

Ewald hat noch nicht genug Kultur und besichtigt am anderen Ende der Stadt noch eine Kirche. Peter und ich gedenken um 16.30 Uhr die Fähre nach Hongkong zu nehmen, um das gute Abendlicht für eine Fahrt mit der Standseilbahn auf den Victoria Peak zu nutzen.

Unmittelbar an der Küste entlang gibt es doch einen Fußweg zum Ferry Terminal. Hier wurde dem Meer eine 400.000 m2 große Fläche abgerungen. Ein ganz neuer Stadtteil entsteht hier, der im Rohbau schon fertig ist. Wie in China und Hongkong üblich sind die Gerüste auch hier aus Bambusrohr gefertigt.

Das Ticket für die Fähre um 16.30 Uhr bekommen wir problemlos. Als „Dankeschön“ für die ausgefüllte Depature Card gibt es einen weiteren Stempel in den Reisepass. Die 60 min. dauernde Überfahrt vergeht wie im „Flug“.

Langsam wirds lästig, wieder ist eine Arival Card auszufüllen, ohne die niemand nach Hongkong Zutritt bekommt. Erfreulich hingegen ist, dass ich genaugenommen jetzt sogar zwei Mal nach Hongkong gereist bin.

Um keine Zeit zu verlieren schlägt Peter vor, ein Taxi zur Talstation der Peak Tram zu nehmen. Ein Taxi zu finden, ist kein Problem, einen Taxifahrer zu finden, der Englisch spricht, dagegen sehr. Durch zeigen auf dem Stadtplan machen wir ihm verständlich, wo wir hin möchten.

Dass seit mehreren Tagen endlich mal wieder die Sonne scheint, hat nicht nur uns motiviert auf den Paek zu fahren. Vor dem Kassenhäuschen der Talstation hat sich eine Menschenschlange von sicherlich 100 m gebildet. Die Bahn fährt alle 10 Minuten, so geht es aber doch recht flott voran. Nur 23 HK$ kostet die Berg- und Talfahrt, sie ist damit billiger als erwartet. Allerdings muss gesagt werden, dass erstens die Fahrt nur etwa 8 Minuten dauert und die Bahn kein Transportmonopol besitzt. Wir hätten prinzipiell ohne weiteres auch mit dem Taxi oder einem Linienbus auf den Peak fahren können. Aber so etwas gehört sich für unser eins natürlich nicht. Oben angekommen ist die Fernsicht doch nicht so gut wie erhofft, aber allemal beeindruckend. Vor wenigen Minuten sind wir noch Teil des Lärms einer 6 Millionen Einwohner Metropole gewesen und jetzt – Ruhe. Zumindest wenn man sich etwas abseits der Touristenströme aufhält.

Die Dämmerung dauert in diesen Breiten nicht so lange wie bei uns. Innerhalb von einer Stunde ist es dunkel geworden. Schade, dass ich das Stativ nicht mit habe, bei Dunkelheit ist die erleuchtete Skyline noch schöner als bei Tag.

Gegen 20 Uhr geht es wieder abwärts. Vorbei an dem wahrscheinlich charakteristischsten Gebäude von Hongkong, der Bank of China (367 m) kommen wir zum Star Ferry Pier.


Der vielbefahrene Victoria
Harbour von Hongkong.
Das scharfkantig konstruierte Hochhaus der Bank of China widerspricht den Vorschriften des Fung-Shui, weil sich die Geister an den Kanten verletzen könnten. Die mythologische Baulehre, an die sich auch große Konzerne halten, wurde vom kommunistischen China als Aberglaube abgetan. Vorsichtshalber wurde das Gebäude aber dennoch am 8.8.1988 eingeweiht, weil die Acht eine chinesische Glückszahl ist. Siebzig Stockwerke hoch und 330 Millionen Mark teuer ist der Bau.

Obwohl die Bedingungen für Nachtaufnahmen noch nicht optimal sind im Vergleich zu gestern, wo nicht einmal die Spitzen der Häuser von Hongkong Island zu sehen waren, hole ich dennoch mein Stativ, um die Gelegenheit zu nutzen, einige Aufnahmen von der nächtlichen Skyline Victorias zu machen. Auf dem Rückweg durch die belebteste und umsatzstärkste Strasse Hongkongs, der Nathan Road ergeben sich ebenfalls noch einige Interessante Motive. Hier ist es durch die Neonlichtwerbung so hell, dass ich kein Stativ benötige.t


Die berühmte Doppelstock
Tram von Hongkong Island.
Auf dieser breiten Hauptader des Zentrums von Kowloon fallen die Neonschilder nicht so stark auf, aber auch hier reiht sich Geschäft an Geschäft. „Golden Mile“ wird diese Verbindungsachse in die New Territories genannt. In der Tat, hier werden goldene Gewinne gescheffelt. Hongkong präsentiert sich mir, wie ich es mir vorgestellt habe: eine einzige Einkaufslandschaft, Topographie aus Rolex, Ebel, Samsonite, Sony, Yamaha, Nikon, und Dunhill. Handeln ist hier Pflichtsache, aber ermüdend, die meisten Verkäufer sind nicht sehr eifrig bemüht, ihre Waren an den Mann oder die Frau zu bringen. Nach Schnäppchen muss man suchen. Hongkong ist schon lange kein billiger Jakob mehr. Mit „Cheap, Cheap“ locken mich die Straßenverkäufer zu ihren gefälschten Markenuhren, Lederwaren oder Fotokameras. Von der Idee mir eine neue Kamera zuzulegen, nehme ich sicherheitshalber Abstand. Ein Aufpasser ist zwar immer in der Nähe, denn sobald ein Uniformierter auftaucht, packen die Händler wieselflink ihre Sachen ein. Ich habe den Eindruck, beide Parteien spielen wissend mit in diesem Straßentheater.

Mit einem Essen bei Pizza Hut wird dieser Tag würdig beendet.


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